Auf dem Foto ist der Anfang der berühmten, insgesamt etwa 3, 60 Meter langen Schriftrolle von S. Matsumura zu sehen. Gelesen wird sie von oben nach unten sowie von rechts nach links. Ihre ersten Worte lauten „Die Übung der Kampfkunst“.

Budō und Sahō

Der "Weg des Kriegers" und das "rechte Verhalten"
auf diesem Weg zum "Ganzen Menschen".

Budō (jap. 武道) und Sahō (jap. 作法)

Budō ist der Überbegriff der japanischen Kampfkünste, in deren Zentrum die Übung eines Weges (Dō) steht. Die Bezeichnung Bu (武) steht für das ursprünglich kriegerische Element aus dem Bujutsu, während Dō (道) die Charakterformung des Übenden auf einem Weg bezeichnet. Bu (武) beinhaltet eine doppelte Bedeutung, zum einen bezeichnet es einen Menschen auf dem Weg in die Schlacht - einen Krieger, zum anderen wird das Schriftzeichen in einem konfuzianischen Sinne als, das Stoppen/Anhalten des Speeres interpretiert. Budō kombiniert also die alten Kriegstechniken (Bujutsu) mit einem individuellen Übungsweg der Selbsterkenntnis und heißt dementsprechend „Weg der Kampfkünste“ / "Weg des Kriegers". Entsprechend ist Budō also eine Übungsmethode, die den Übenden dazu anhält, einen beherrschten und friedfertigen Geist zu entwickeln, seinen Charakter und seine innere und äußere Stärke durch entsprechende Methoden der Übung heranzubilden und zu erweitern. Budō ist ein Lehrprinzip, in dem der Prozess - "das Tun" wichtiger ist als das Ergebnis. Die Übung ermöglicht es Körper, Geist und Seele zu verbinden und in Einklang zu bringen um ein „Ganzer Mensch“ zu sein.

Sahō die Etikette sind die Verhaltensregeln im Dōjō. Diese Verhaltensregeln helfen dem Wegschüler sich „zurechtzufinden“ – nicht vom "rechten" Pfad abzukommen. Die Beachtung und Einhaltung der Etikette gehören für den Wegschüler von Anfang an zu einer seiner wichtigsten Aufgaben. Die Dōjō Etikette sind ein Werkzeug die eigene innere Haltung/Einstellung zu formen und macht damit erst echtes lernen im Sinne des Budō möglich. Achten alle im Dōjō auf die Einhaltung der Etikette entsteht eine Umgebung von ruhiger und konzentrierter Achtsamkeit in dem jeder seinen Platz für Entfaltung und Wachstum findet. Die Etikette beschränken sich oberflächlich betrachtet auf das Verhalten im Dōjō, sind aber als Aufforderung gedacht diese ins eigene Leben zu integrieren.

Sahō lässt aus Kriegstechniken (Bujutsu) erst Budō entstehen, da es der physischen Komponente eine geistig-philosophische Komponente hinzufügt. So wie es die in dem chinesischen Buch Godan-sho  über Militärstrategie niedergeschriebenen und in einem Brief vom 13 May 1882 von Meister Sōkon Matsumura, dem Begründer des Shorinryu an seinen Schüler Kuwae Ryosei zitierten „Sieben Tugenden der Kampfkünste“ (Shichi Toku No Bujutsu No Godan-Sho) zusammenfassen:

Kampfkunst*
 

  1. verbietet vorsätzliche Gewalt

  2. regelt das Verhalten des ehrenhaften Kriegers

  3. erbaut und bereichert den Einzelnen

  4. entwickelt Tugend

  5. bringt Frieden unter den Menschen

  6. schafft Harmonie in der Gesellschaft

  7. fördert den Wohlstand
     

Übertragen auf das Leben, ermöglicht die Übung des Budō eine Form der Achtsamkeit gegenüber körperlichen und geistigen Konfrontationen.

* Es gibt für die „Sieben Tugenden der Kampfkünste“ wegen des Alters und des Schreibstiels des Textes mehrer Varianten in der Auslegung.

 

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